Durch europäische Städte - Delft

Delft blau - Delft, Die Niederlande
Delfts Pflaster
Delfts Pflaster

Schwäne in Delft
Schwäne in Delft

Wir waren in Delft im Herbst 2005, im zweiwochigen Urlaub in Holland (Niederlande). Ab ersten Minuten waren wir in Delft verliebt. Es ist schwer zu erklaren, warum. Man muß es selbst gesehen haben, dabei muß man zugeben - bereits vorgefaßt. Aber darüber spater.

Eine malerische Stadt - diesen Ausdruck kann man zum Delft buchstäblich anwenden. Wir schlenderten Stunden lang durch gepflasterte Gässchen und kleine Brücken, saßen im Cafes, schauten auf die Passanten und, selbstverständlich, fotografierten. Ich denke nicht, dass die Fotos unsere Empfindungen vollständig wiedergeben, wenn es aber zumindest teilweise gelingt, dann ist es schon nicht schlecht.

Unter den vorwiegenden Farben in Delft ist blau nicht dabei. Ist aber Ziegelfarbe, die manchmal rot wird. Grün ist auch dabei (zumindest im Sommer).

Die Kanäle sind vom grünen Schlamm (manchmal mit Seerosen) wie vom Teppich abgedeckt. Und fast wie auf den alten kleinen Teppichen an der Wand - sind auf diesem Teppich auch Schwäne darauf.

Althaus
Althaus

Rotes Delft
Rotes Delft

"Delft Blau" ist etablierte Bezeichnung des berühmten blauen Steingutes aus Delft("delft blue").

Viele denken, dass "delft blue" eine Art "Gzhel" ist (berühmtes russisches Steingut). In Wirklichkeit ist "Gzhel", so wir es jetzt kennen, erst im 19. Jahrhundert entstanden, als die Meister aus Gzhel bei Moskau die Kombination des Steingutes mit dem blauen Kobalt geschaffen haben.

Ich weiß nicht, ob das Rezept entlehnt worden ist oder original war. Es steht, jedoch, außer allem Zweifel die Tatsache, dass "Gzhel" unter Einfluss des bereits seit 17. Jahrhundert produzierten "delft blue" entstanden ist. Delfter Steingut ist, seinerseits, nicht aus der Luft entstanden, sondern als Antwort auf den breiten Vertrieb der italienischen Majolika.

Rot, die Farbe des roten Ziegels und der Blumen. Ziegel - das Hauptdetail in Delfter Landschaft. Moglicherweise, trifft das auf ganz Niederlande zu.

Porträt des Ziegels
Porträt des Ziegels

Oostpoort
Oostpoort

Peter Weil hat in seinem Buch "Genius Loci" das Essay über holländischen Künstler Peter de Hoock, der in Delft in der gleichen Zeit wie Vermeer arbeitete, sogar "Porträt des Ziegels" genannt.


Weil hat sein "Porträt des Ziegels" mit Amsterdam verbunden. Ich würde Delft mit Amsterdam nicht vergleichen, mir kam es aber vor, dass Delft besonders ziegelreich ist. Vielleicht, weil die Stadt klein ist, ist die "Konzentration des Ziegels" hier höher?

Meine Neigung kommt von der Verehrung meines Lieblingskünstlers Jan Vermeer von Delft (1632-1675), welcher in Delft sein ganzes Leben lang lebte und arbeitete.
Seine bedeutendsten Werke sind heutzutage in den Museen von Amsterdam und den Haag. Von allen seinen Gemälden, die meist Leute in Innenräumen darstellen, sind nur zwei Landschaften. Beide sind Aussichten von Delft.

Ich wollte diese Aussichten von Delft finden und fotografieren, die Vermeer in seiner Zeit gemalt hatte.

Uferstraße
Uferstraße

Ansicht von Delft
Ansicht von Delft

"Ein Häuschen eines Handwerkers in Delft, sichtbar von der Vorderseite; das Dach, geschnitten durch die Einrahmung; kaum auffäliger Lichblick über dem Hof; im Vordergrund — die Platten des Fußwegs; hinter der Tür — sitzende Frau. Nichts, außer der Wand und einiger nicht ausgeschmückten Zwischenräume. Dafür aber was für Farben!"

Das sind Worte des franzosischen Kritikers Thorè-Burger, des ersten Forschers und des Verehrers von Vermeer. Das Haus, welches zum Motiv dieses Vermeers Gemälde - "Straße in Delft" - diente, konnte ich nicht finden. Man nimmt an, dass Vermeer mit dem Gemälde sein Haus verewigte. (Das Haus wurde aber abgerissen.)

Dafür habe ich das "Oostpoort" leicht gefunden. Im übrigen, heißt Vermeers Gemälde "Ansicht von Delft".

Es sieht auch heute praktisch genauso wie in Vermeers Zeit aus. Geändert hat sich, selbstverständlich, allgemeine Landschaft der Stadt.
Die weiße Zugbrücke vor dem Tor, geschlagen über den Kanal Schie-Rijn, gibt "Oostpoort" besonders malerischen Charakter.

Kanal
Kanal

Es gibt einen guten amerikanischen Film "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", nach dem gleichnamigen Roman von Tracy Chevalier. Die Hauptperson - das Mädchen des berühmten Vermeers Gemälde. Wunderbar wird im Film das Leben der Vermeers Familie gezeigt, seine Arbeit, alltägliche Straßenleben in Delft in der Mitte 17. Jahrhunderts (1665).

Also, ich bin der Meinung, dass die Hauptperson des Filmes gerade diese Straße entlang läuft. Es ist vollkommen möglich, dass den Film gerade hier gedreht wurde. (Später habe ich erfahren, dass genau eine Szene in Delft gedreht wurde - der Gang des Mädchens vom Fleischmarkt zum Oude Langendijk.)

Dennoch, je weiter wir gingen, desto mehr schien es - das ist die Straße, das ist die Uferstraße.

Tracy Chevalier - gebürtige Amerikanerin - sagt in einem seiner Interviews, dass sie die Handlung ihrer Romane niemals nach Amerika verlegen wollte.
Nicht weiter verwunderlich, dachte ich mir, als ich auf die ziegelroten Reflexionen der Fassaden im grunen Wasser sah.

Sonniger Tag
Sonniger Tag

Kleine Brücke
Kleine Brücke

Am nächsten Tag kam die Sonne, der grune kleine Teppich ist irgendwie verschwunden und diese Stelle sah auf einmal ganz anders aus...

Wenn du durch diese Gäßchen bummelst, stellst du dir vor, wie sich hier 1653 Jan Vermeer in die Gilde St. Lukas beeilte, in die er für 6 Gulden - auf Ratenzahlung - eingetreten ist.

Diese gepflasterte Straßen, die Ziegelwande, milde, gedämpfte Farben geben eine einzigartige Empfindung "der modernen alten Zeit". Es scheint immer so gewesen zu sein. Und gleichzeitig es kein Altertum, es ist hier und jetzt. Und heute leben Leute in diesen Häusern mit Komfort...

Fensterchen
Fensterchen

Schwimmende Häuser
Schwimmende Häuser

Am diesen Fenster konnte ich ohne zu knipsen nicht vorbei. Ich frage mich, was er sieht, der hinter diesem Fenster lebt? Ob er versteht, in welcher Schönheit er lebt? Od er sie wahrnimmt? Ob er nachdenklich, wie ich, auf Wasser schaut? Oder einfach leidet an den Mucken?

Hätte ich gerne hinter die Gardine hineingeschaut ...

Das dicke Netz der Kanale, die Holland abdeckt, wirkt sich auch auf die innere Delfts Gestalt sehr aus. In Vermeers Zeit - übrigens das war das goldene Zeitalter der holländischen Malerei - wurde die Mehrheit der Waren, wahrscheinlich, mit Lastkähnen befördert. Und deshalb waren Geschäfte und Werkstätte, die im Erdgeschoß eingerichtet waren, unmittelbar von der Straße, d.h. vom Kanal zugänglich.

Man lebte, in der Regel, im selben Haus. Genauer gesagt, betrieb man Handel und Handwerk unmittelbar vom Haus aus. Deshalb waren die Wohräume hinter dem Haus oder im zweiten Stock.
Es scheint auch heute so zu sein...

Räder
Räder

Fahrrad - die zweitwichtigste "Person" - nach dem Ziegel - in allen städtischen Szenen (wie aber auch in allen Städten der Niederlande). Dieses Land ist schlicht und einfach Mekka der Radfahrer. Für 16 Millionen Einwohner gibt es hier ca. 30 Millionen Fahrräder.

Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern gibt es in der Niederlande recht wenig teuere Fahrräder, so wie mountainbikes oder citybikes. Überwiegend sind es - sogar unter Jugendlichen - hollandbikes (Fietsen). Sie sind einfach, sicher und sehr bequem in der alltäglichen Benutzung. Und genau so betrachtet man ein Fahrrad in der Niederlande - wie einen tagtäglich benutzter Gegenstand.

Durch das ganze Land haben sich kreuz und quer die Radwege für mehr als 20000 Kilometer lang gestreckt. Wir hatten auch selber die Moglichkeit, Angebote der reichlich vorhandenen Fahrradverleihe zu nutzen und sich ein paar Mal von Bequemlichkeit und durchdachten Organisation von diesem verzweigten Netz der Fahrradrouten überzeugen zu lassen.

An den Kreuzungen sind die Schilde mit den Karten der nahegelegenen Gebiete eingerichtet. Die nummerierten Pfade führen von einem solchen Schild zu anderem. Du fährst einige Kilometer bis zu der nachsten Verzweigung und schaust im Plan, wo es weiter lang geht. Sehr bequem. Wenn Du ungefähr weißt, wohin du musst, kannst du sogar ohne Karte fahren. Bei so einem Schild begegnest du oft andere Radfahrer und tauschst die Information mit ihnen aus.