Durch europäische Städte - Barcelona

Gaudis Werke in Barcelona:

- Sagrada Familia (Gaudi 1883–1926)
- Casa Vicens (1883–1888)
- Guell Pavillons (1884–1887)
- Palau Guell (1886–1888)
- Straßenlaternen auf der Placa Reial (1888)
- Schule der Theresianerinnen (1888—1894)
- Casa Calvet (1898–1900)
- Casa Figueras (1900—1909)
- Park Guell (1900–1914)
- Casa Batllo (1904–1906)
- Casa Mila (1906–1910)

Von Laterne zum Tempel - Barcelona, Spanien
Plaça Reial
Plaça Reial

Fenster von Casa Batlló
Fenster von Casa Batlló

In der Nähe von La Rambla befindet sich ein wunderschöner Platz Reyal (katalanisch: Placa Reial, spanisch: Plaza Real), umrahmt mit Arkaden. Hier fallen jedem ungewöhnliche Straßenlaternen auf.
Jeder von denen hat sechs Lampen und an der Spitze ist der geflügelte Helm des Merkur, des Götterboten. Gipfel der Laternen ist in Form von Caduceus mit zwei Schlangen gemacht - Heroldstab bei Altgriechen und Römer. Diese Laternen sind ein der ersten Werke von Gaudi, Barcelonas großen Architekten.

Während unseres Urlaubs in Spanien im September 2007 ware wir in einem Hotel in der Nähe von Barcelona. Dadurch konnten wir Barcelona mehrmals besuchen, um gezielt zumindest einen Teil der berühmten Gaudis Gebäude zu besichtigen.

Antoni Gaudi wurde 1852 in der Stadt Reus, 15 km westlich von Tarragona, geboren. (Wir waren zu Reus leider noch nicht wissend, dass es Gaudís Geburtsort ist.)
Gaudi ist der eigenartigste Repräsentant des Jugendstils. Dieser Stil ist in Europa im späten 19. Jahrhundert entstanden und hieß Art Nouveau in Belgien und Frankreich, "modernismo" - in Spanien.
Er ist von sanft kurvenförmige Linien und Muster mit dezenten Farben ausgeprägt, oft in Form von Pflanzen und Muscheln. In den Fassaden wurden geschmiedeten Metallgitter verwendet. Als erstes Beispiel dieser Art der Architektur gilt das Tassel House Hotel, gebaut von Victor Horta in Brüssel.

Casa Batlló
Casa Batlló

Das Dach von Casa Batlló
Das Dach von Casa Batllo

Wir haben geplant Casa Batlló, Casa Mila, Palau Güell, Park Güell und Sagrada Familia zu besichtigen. Wir konnten alles sehen bis auf Palau Güell. Das Gebäude wurde saniert und selbst von außen konnten wir nichts sehen.
Glücklicherweise konnten wir jedoch die restlichen Gebäude besichtigen, wenn auch nicht überall drinnen waren.

Haus (Casa) Batlló wurde schon dreißig Jahre zuvor bewohnt als Josep Batlló den Auftrag zur Umgestaltung des Hauses. Gaudi erreicht hier eine überraschende Kombination von Luxus und Frömmigkeit, da die Idee des Gebäudes auf der Legende des Heiligen Georg, Schutzpatron von Katalonien, basiert. Zum Beispiel ist eine Kuppel mit einem Kreuz auf dem Dach ein Symbol für den Speer von Heiligen Georg, auf dem sind die Namen von Jesus, Maria und Joseph geschrieben.

Zwar ist im Innenraum wenig erhalten geblieben. Es scheint aber, dass das Interessanteste in diesem Haus doch innen und nicht außen ist. (Aber gerade drin waren wir leider nicht.)
Dafür macht das Haus von außen einen unauslöschlichen Eindruck. Dank Fliesen und Keramik nimmt die Fassade abhängig von der Beleuchtung verschiedene Schattierungen und sieht wie verschwommen aus. Es assoziiert sich mit Monets "Seerosen".

Casa Batlló gespiegelt
Casa Batlló gespiegelt

Casa Milà
Casa Milà

Auf der anderen Seite, das Dach des Hauses vermittelt den Eindruck vom Rücken eines Drachens.

Im Wesentlichen war Gaudi kein Modernist. Ironischerweise entstand der Kult von Gaudi erst später aus Surrealismus. Surrealisten dachten, dass der Architekt genau so irrational und ekstatisch war wie sie. Seine Arbeit war aber auf Tradition, Materialeigenschaften, Religiosität und Selbstaufopferung basiert.

Sehr merkwürdig, dass heute am meisten bewundern Gaudí die Japaner, die zusammen mit spanischen Katholiken den Weiterbau der Kirche Sagrada Familia sponsern.

Auf der anderen Seite der Straße, ein wenig weiter entlang Passeig de Gràcia, baute Gaudi im Auftrag von der Familie Milà ein noch ungewöhnlicheres Haus.

Meiner Meinung nach, verkörpert Casa Milà, das man auch "Steinbruch" (La Pedrera) nennt, mehr als alle anderen Gaudis Werke die Grundsätze des Jugendstils - glatte Kurven und weiche Konturen.

Im Casa Milà dominiert Meeresthema. Bei der Gestaltung der Balkone sind Motive von Algen und Korallen verwendet. Linien der Fassade ähneln Wellen des Meeres.

Trotz der Tatsache, dass die Hauptidee des Gebäudes das Bild einer mittelalterlichen Burg ist, waren hier - für seine Zeit - sehr innovative Lösungen umgesetzt. Zum Beispiel hat Gaudi hier die erste Tiefgarage in Barcelona entworfen.

Park Güell
Park Güell

Salamander
Salamander

In den Park Güell, der ziemlich weit vom Zentrum entfernt liegt, wollten wir mit dem touristischen Bus fahren, aber die Warteschlange war so lang, dass wir diese Idee aufgeben und zu Fuß in Hitze gehen mußten.

Der Eindruck vom Park überwog aber bei weitem unsere Qual.
Der Park Güell ist voll von Symbolen von Katalonien und von der katalanischen Geschichte. Der Salamander (oder Leguan?) in der Nähe des Brunnens wird zum Beispiel mit der französischen Stadt Nimes assoziiert, über die die alte katalanische Grenze (unter den fränkischen Königen) einst ging.

Aussicht vom Park Güell
Aussicht vom Park Güell

Temple Expiatori de la Sagrada Família
Temple Expiatori de la Sagrada Família

Dieses Gaudis Werk wird für die erste Collage in der Kunst gehalten. Einzelne Wörter, die auf einer langen schlangenartigen Bank zerstreut sind, sind Auszüge aus den Gebeten an die Jungfrau Maria.

Gedacht war er nicht wie ein Park, sondern scheinbar wie eine ideale Gemeinschaft, eine Gartenstadt. Allerdings, nur zwei Käufer haben sich gefunden. Ob sie von der Exzentrizität von Gaudi erschreckt waren, oder - was wahrscheinlicher ist - der Park war zu weit vom Zentrum entfernt.

Park Güell, der in den Hügeln am Fuße des Berges Tibidabo liegt, kann mit gar nichts in Europa verglichen werden.

Nach Abschluss der Arbeiten an Casa Milà hatte Gaudi keine andere Aufträge außer diesem Park und der Kirche Sagrada Familia, an der er fast von Beginn seiner Karriere als Architekt bis zu seinem Tod arbeitete.

Schon ziemlich müde, wir gingen aus dem Park Güell und erreichten die Kirche der Sagrada Familia in Barcelonas Stadtteil Eixample. Trotz Müdigkeit haben wir noch unsere Kräfte gesammelt, um die sich seit über 120 Jahren im Bau befindende Kirche zu sehen. Und zwar nicht nur von außen, sondern auch von innen.

Sühnekirche der Heiligen Familie (sp. Temple Expiatori de la Sagrada Família) - das ist der vollständige Name der Kirche, die ursprünglich als ein Symbol der Anti-Moderne konzipiert wurde, wie eine Kirche, in der Menschen die Sünden der Moderne in einem weiten Sinne des Wortes sühnen werden. Paradoxerweise wird nun gerade dieses Gebäude von vielen als Verkörperung der modernen Architektur betrachtet.

Zwei große Fassaden der Kirche befinden sich auf den Ost-und Westseiten.

Portal der Hoffnung
Portal der Hoffnung

Ost-Fassade - Geburtsfassade (Weihnachtsfassade, Christi Geburt) - wurde noch zu Lebzeiten Gaudis abgeschlossen. Sie besteht aus drei Portalen - dem Portal der Hoffnung, dem Portal der Barmherzigkeit und dem Portal des Glaubens. Auf dem Bild ist das Portal der Hoffnung zu sehen mit den evangelischen Szenen von der Flucht nach Ägypten und vom Kindermord in Bethlehem.

Der Bau der Westfassade - Passionsfassade - wurde nach dem Tod des großen Architekten ins Leben gerufen und ist noch nicht abgeschlossen. Der Stil der Passionsfassade unterscheidet sich deutlich von der Geburtsfassade.

Da keine Baupläne von Gaudi erhalten geblieben sind (sie wurden während des Bürgerkriegs vernichtet), wird die Kirche Sagrada Familia inzwischen weitgehend gestützt auf Spekulationen gebaut. Nach einigen Meinungen, was heute am Bau getan wird, hat nichts mit der Konzeption von Gaudi zu tun. Deshalb halten sie es für notwendig, die Kirche als Denkmal unvollendet zu belassen.
Allerdings, wenn es ein Gebäude gibt, das als Symbol von Barcelona dienen könnte, dann ist es Sagrada Familia.